Es lassen sich zwei grundlegende Strategien unterscheiden, nach denen die Stilllegung
durchgeführt werden kann: der direkte Abbau oder der Abbau nach einem sicheren Einschluss. Das Atomgesetz (AtG) sah beide Stilllegungsstrategien ursprünglich als gleichwertig an. Mit dem Gesetz zur Neuordnung der Verantwortung in der kerntechnischen Entsorgung wurde auch § 7 Absatz 3 AtG geändert und festgelegt, dass der sichere Einschluss nur noch im Einzelfall aus Gründen des Strahlenschutzes gewählt werden darf.

Beiden Strategien ist gemeinsam, dass zwischen der endgültigen Abschaltung und dem Beginn der eigentlichen Stilllegung die sogenannte Nachbetriebsphase liegt, die mehrere Jahre dauern kann. In diesem Zeitraum können die Brennelemente abtransportiert oder die Betriebsmedien und -abfälle entsorgt werden, sofern dies durch die Betriebsgenehmigung des Kernkraftwerks abgedeckt ist. Spätestens in der Nachbetriebsphase beantragt der Anlagenbetreiber die Erteilung der Genehmigung zur Stilllegung. Erst nach Genehmigungserteilung können die konkreten Stilllegungs- und Abbautätigkeiten beginnen.

Jede der beiden Strategien weist Vor- und Nachteile auf. Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass kerntechnische Anlagen meistens direkt abgebaut werden. Auch in Deutschland empfiehlt die Entsorgungskommission als Regelfall den direkten Abbau und es befinden sich nur wenige Anlagen im sicheren Einschluss. 

Ablauf

Direkter AbbauSicherer Einschluss und  späterer Abbau

 Vorteile
  • Verfügbarkeit von Personal, das mit der Betriebshistorie vertraut ist

  • Milderung wirtschaftlicher Folgen für die Region und die Belegschaft
  • Finanzierungssicherheit
  • Möglichkeit der Nutzung des Geländes zu einem früheren Zeitpunkt
  • Geringerer messtechnischer Aufwand für die radiologische Bewertung

  • Schrittweises Abklingen der Radioaktivität

  • Reduzierung der Strahlenexposition für das Personal nach dem Abklingen der Radioaktivität
  • Gegebenenfalls technische Vorteile bei der Durchführung der Abbauarbeiten

 

 


Nachteile
  • Höhere noch vorhandene Radioaktivität

  • Höhere Strahlenexposition, durch die die Abbauarbeiten auch technisch erschwert werden können

 

  • Zunahme des messtechnischen Aufwands für die radiologische Bewertung

  • Verlust von Kenntnissen über die Anlage
  • Nichtverfügbarkeit von neuem qualifiziertem Personal für den Abbau nach dem sichereren Einschluss
  • Schwierige Sicherstellung der Finanzierung des Abbaus über einen langen Zeitraum

 

Direkter Abbau

Beim „direkten Abbau“ wird die Anlage unmittelbar beseitigt. Direkt im Anschluss an die Nachbetriebsphase werden schrittweise alle Systeme, Anlagenteile und Einrichtungen abgebaut. 

Sicherer Einschluss

Bei der alternativen Strategie wird die Anlage dagegen erst nach einer Periode des sicheren Einschlusses abgebaut.
Foto: Tim Reckmann, Luftbild Kraftwerk Westfalen, zugeschnitten und bearbeitet von GRS, CC BY-SA 3.0