Abbau- und Zerlegetechniken benötigt man für viele Aufgaben und Einsatzgebiete beim Abbau kerntechnischer Anlagen. Anlagenteile müssen aus der Anlage ausgebaut und in handhabbare Stücke zerlegt werden. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für das gesamte Abfall- und Reststoffmanagement.

Das Spektrum der Aufgaben reicht vom einfachen Trennen einer dünnen Rohrleitung, die nie mit radioaktiven Stoffen in Kontakt war, über den Abbau und das Zerlegen großer Behälter und dickwandiger Rohre für radioaktive Flüssigkeiten, bis hin zur Zerlegung des Reaktordruckbehälters und dessen Einbauten.

Auch die Nachzerlegung bereits abgebauter großer Werkstücke, etwa zur Dekontamination oder zur Freigabemessung, ist eine wichtige Aufgabe. Neben verschiedenen Metallsorten ist auch Beton zu zerlegen, der – wie etwa beim biologischen Schild oder bei einigen Gebäudestrukturen – stark mit Armierungsstahl durchsetzt sein kann.

Zerlegung von Komponenten unter Wasser

Wenn in einem Bereich mit hoher Dosisleistung oder an hochradioaktiven Teilen gearbeitet werden muss, dann kann nicht direkt manuell gearbeitet werden, sondern fernbedient – oft unter Wasser. Das Wasser bildet eine wirksame Abschirmung gegen die Strahlung, die von den zu zerlegenden Materialien ausgeht. Kriterien zur Entscheidung, welche Techniken am besten geeignet sind, sind vor allem die Sicherheit, aber auch zum Beispiel Schneidgeschwindigkeit, maximal trennbare Materialdicke oder Freisetzung von Stäuben (Aerosolen).

Für dieses Spektrum von Aufgaben werden mehrere Zerlegetechniken benötigt, die in unterschiedlichen Bereichen und unter unterschiedlichen Bedingungen und gegebenenfalls sogar unter Wasser einsetzbar sein müssen.

Thermische Zerlegetechniken

Thermische Zerlegetechniken schmelzen das Material mittels einer Flamme, eines Lichtbogens oder eines Laserstrahls auf und treiben dann den geschmolzenen Anteil durch einen Gas- oder Wasserstrom oder einfach durch die Schwerkraft aus der Schnittfuge. Solche Techniken werden weitaus häufiger für Metalle als für Beton oder konventionelle Bauwerkstoffe angewendet. Einige Techniken sind für beide Materialtypen geeignet. Beim thermischen Schneiden in Luft und unter Wasser entstehen partikelförmige Emissionen, sogenannte Aerosole beziehungsweise Hydrosole, die jedoch mit handelsüblichen Absaug- und Filteranlagen beherrschbar sind.

Wichtige thermische Techniken:

  • autogenes Brennschneiden
  • Plasmaschmelzschneiden
  • Lichtbogenschneiden
  • Funkenerosion
  • Laserstrahlschneiden

Mechanische Zerlegetechniken

Mechanische Zerlegetechniken erzeugen die Schnittfuge, indem mechanisch Material abgetragen wird. Dabei wird das Material weder aufgeschmolzen noch verbrannt, auch werden keine Schneidgase eingesetzt. Die beim Trennen entstehenden Späne und Stäube sind vergleichsweise grob und leicht durch Filter aufzufangen. Mechanische Zerlegetechniken werden für Metalle und für Baustrukturen angewendet.

Wichtige mechanische Techniken:

  • Sägen
  • Seilsägen
  • Fräsen
  • Trennschleifen
  • Scheren
  • Wasser-Abrasivschneiden